Erben und Vererben

1. Das gesetzliche Erbrecht

Mit dem Tod eines Menschen (des sog. Erblassers) geht sein gesamtes Vermögen, Aktiva und Schulden, auf seine Erben über.
Wer Erbe ist, bestimmt sich vorrangig nach dem Testament oder Erbvertrag, welche der Erblasser errichtet hat.
Hat er kein Testament oder Erbvertrag aufgesetzt, bestimmen sich die Erben nach der gesetzlichen Erbfolge.
Die Ausgestaltung der gesetzlichen Erbfolge hängt von der konkreten Lebens- und Verwandtschaftssituation des Erblassers ab.

Einige Beispiele:

(1) Ein im gesetzlichen Güterstand verheirateter Erblasser hat 2 Kinder.

Nach dem Gesetz erben seine Ehefrau ½, jedes Kind ¼.
Es erbt somit nicht die Ehefrau allein!
Zusammen bilden sie eine Erbengemeinschaft, d.h. sie müssen sich über die Verteilung des Nachlasses einigen, bis zur Auseinandersetzung können nur alle gemeinschaftlich über die ererbten Gegenstände verfügen.


(2) Ein im gesetzlichen Güterstand verheirateter, kinderloser Erblasser verstirbt.

Es erbt die Ehefrau zu ¾, die Eltern zu ¼, in Erbengemeinschaft. Sind die Eltern bereits vorverstorben, erben an ihrer Stelle die Geschwister des Erblassers oder deren Abkömmlinge, also Nichten und Neffen.
Auch hier erbt also nicht die Ehefrau allein!

(3) Ein unverheirateter Erblasser mit drei Kindern verstirbt, die Kinder haben wiederum auch bereits Kinder.

Die drei Kinder erben zu jeweils 1/3 in Erbengemeinschaft.


2. Abweichende Nachlassplanung


Die gesetzliche Erbfolge hat einige Nachteile:

(1) Zum einen sind die Quoten festgelegt. Insbesondere die Absicherung des länger lebenden Ehegatten ist durch die zwingende Erbengemeinschaft mit den anderen nahen Verwandten nicht immer gewährleistet.

(2) Die Erbengemeinschaft erfordert zudem, dass sämtliche Fragen betreffend den Nachlass von allen gemeinsam, also einstimmig entschieden werden. Selbst Angelegenheiten betreffend das Familienheim müssen von sämtlichen Mitgliedern der Erbengemeinschaft entschieden werden.


Eine Nachlassplanung durch Testament, Erbvertrag oder auch lebzeitige Schenkungen hat zudem folgende Vorteile:

(1) Ein Testament erspart einigen Ärger und Streit zwischen den Erben. Eine überlegte und klare Erbregelung wird im Regelfall von den Erben akzeptiert.

(2) Der Erblasser ist grundsätzlich frei, sein Vermögen den Personen zukommen zu lassen, die er tatsächlich bedenken möchte.
Beispielsweise kann der Ehegatte zunächst zum Alleinerben eingesetzt werden. Ein nichtehelicher Lebenspartner kann nur etwas erben, wenn es ihm im Testament zugewandt wurde. Nach der gesetzlichen Erbfolge geht er leer aus. Es muss aber auch nicht zwingend die Verwandtschaft erben, sondern beispielsweise ein gemeinnütziger Verein kann ebenso Alleinerbe sein.
Einzige Grenze der Testierfreiheit ist das gesetzliche Pflichtteilsrecht der engsten Verwandten (s. dazu unten).

(3) Durch eine gut beratene Nachlassplanung lässt sich Steuer sparen (s. dazu näher unten)!

3. Testament und Erbvertrag

Ein Testament ist ein einseitiges Schriftstück des Erblassers, welches handschriftlich errichtet oder notariell beurkundet werden muss. Ein Erbvertrag wird errichtet, wenn eine gegenseitige Bindung gewünscht wird, beispielsweise zwischen Ehegatten.
Inhaltlich stehen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, um den Wünschen des Erblassers zu ihrer rechtlichen Durchsetzung zu verhelfen.
Es wird üblicherweise zunächst geregelt, wer Erbe sein soll.
Es können aber auch zusätzlich anderen Personen beispielsweise kleinere Geldbeträge oder bestimmte Gegenstände durch ein Vermächtnis zugewandt werden. Für minderjährige Kinder kann ein Vormund bestimmt werden oder es kann geregelt werden, dass Kinder nicht bereits mit Vollendung des 18. Lebensjahres auf das vererbte Vermögen zugreifen können, sondern z.B. bis zum 25. Lebensjahr jemand anderes dieses Vermögen verwaltet. Ein Testamentsvollstrecker, der die gesamte Auseinandersetzung und Abwicklung übernimmt, kann benannt werden.

Welche Vorteile bietet die notarielle Beurkundung?

(1) Um ihre Wünsche rechtlich einwandfrei umzusetzen, bietet der Notar eine umfassende juristische Beratung an. Die juristisch klare Formulierung vermeidet spätere Auslegungsschwierigkeiten und Erbstreitigkeiten. Auch Formfehler sind im notariellen Testament ausgeschlossen.

(2) Das notarielle Testament ersetzt den Erbschein. Dieser müsste bei Gericht beantragt werden, um auf Konten zugreifen und Grundbesitz umschreiben lassen zu können. Die Erstellung des Erbscheins verursacht wiederum Kosten und die Bearbeitungszeit beträgt oft einige Monate.

(3) Das notariell errichtet Testament wird im zentralen Testamentsregister registriert und zum Nachlassgericht abgeliefert. Ein Verschwinden dieses wichtigen Dokuments ist somit sicher ausgeschlossen.

 

4. Pflichtteilsrecht

Pflichtteilsberechtigt sind der Ehegatte und die Abkömmlinge. Verstirbt ein Erblasser ohne Abkömmlinge zu hinterlassen, sind seine Eltern ebenfalls pflichtteilsberechtigt.
Andere Personen, insbesondere Geschwister, haben keinerlei Ansprüche. Sie bekommen nur das, was ihnen durch Testament oder Erbvertrag zugewandt wird.

5. Erbschaftsteuer

Die Freibeträge und Steuersätze nach dem Erbschaftsteuergesetz unterscheiden
sich nach dem Verwandtschaftsgrad und der Höhe des erhaltenen Vermögens:

Einige wichtige Freibeträge:

Ehegatten: 500.000 €
Kinder: 400.000 €
Enkel: 200.000 €
Geschwister: 20.000 €
Nicht verwandte Personen: 20.000 €

Die Freibeträge können durch lebzeitige Überlassungen alle zehn Jahre erneut ausgenutzt werden.

Vermögen Ehegatten,
(Stief)Kinder, Enkel
Geschwister nicht Verwandte,
wie Lebensgefährten

bis 75.000 €

7%

15%

30 %

bis 300.000 €

11 %

20%

30 %

bis 600.000 €

15 %

25%

30 %

bis 6.000.000 €

19 %

30%

30 %


Die rechtzeitige, auf Ihren Einzelfall bezogene Beratung durch den Notar Ihres Vertrauens in Zusammenarbeit mit dem Steuerberater kann dazu beitragen, dass erhebliche Steuern gespart werden.

 

 
Dr. Thomas Kornexl
Dr. Susanne Herrler
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90403 Nürnberg
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